Liebe SR-Kameraden,
die lange Zeit des Wartens, bis in unseren Bereichen wieder der Ball rollt, ist allmählich vorbei. Am ersten August-Wochenende standen einige Testspiele auf dem Programm, allerdings unter der Einhaltung umfangreicher Hygienemaßnahmen. Wann jedoch der Punktspielbetrieb wieder über die Bühne geht, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab und wird von der Politik bestimmt.
Unser Spitzen-SR und SR-Urgestein Manfred Keil war der erste Kamerad unserer Gruppe, welcher die SR-Tasche wieder aus der Ecke holte und nach gut fünf Monaten Pause wieder zur Pfeife griff.
Aus diesem Grunde haben wir bei ihm mal angefragt, welche Erfahrungen und Eindrücke er beim sog. Restart im Kreis Augsburg gewinnen konnte.
Manni, vorab mal die Frage, wie Du die Monate, gerade in der Hochphase von Covid-19 in Verbund mit Deiner Familie damit umgegangen bist?
Da die Lage zu Beginn ja völlig ungewiss war, und man aus Italien oder China im Fernsehen jeden Tag mehr erschreckende Bilder gesehen hatte, waren wir natürlich auch verunsichert und sehr vorsichtig.
Wir haben uns damals auch ziemlich abgeschottet, nur wir vier – ohne weiteren persönliche Familienkontakt. Diese Zeit war besonders für unsere beiden Kinder schwierig, die ja sehr gerne draußen sind und die Bewegung lieben.
Und hätte mir vor Corona jemand erzählt, dass Toilettenpapier und Seife in den Geschäften über mehrere Wochen ausverkauft sind, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht.
Du hast Dich ja vor gut zwanzig Jahren von Wassertrüdingen / Mittelfranken aus berufsbedingt im Landkreis Augsburg niedergelassen. Wie war während dieser Zeit der Kontakt nach Franken, zumal Du ja ein Familienmensch bist und immer wieder gerne Deine Heimat besucht hast.
Wie du schon sagst, haben wir ja unsere gesamte weitere Familie im Frankenland und für einen Besuch fand sich sonst eigentlich immer ein Grund. Und nun war dies von heute auf morgen nicht mehr möglich. Das war schon eine ziemliche Umstellung, aber wir wollten für Oma und Opa auf keinen Fall ein Risiko eingehen. Also haben wir eben alles aufs Telefon beschränkt.
Du zählst ja als Schiedsrichter und Beobachter der Bezirksliga zu den absoluten Aktivposten im Bezirk und bist oftmals an den Wochenenden im Doppeleinsatz. Wie hast Du die gut fünf Monate Auszeit vom grünen Rasen genutzt? Welchen Hobbies bist Du nachgegangen bzw. hast Du ein neues Metier entdeckt?
Also ich kann dich beruhigen, ich habe kein neues Hobby angefangen. Allerdings habe ich auch noch nie so viele Kilometer auf meinen Fahrrad abgerissen. Schöne Radtouren, ausgedehnte Spaziergänge mit der Familie standen des Öfteren auf dem Plan. Und dabei haben wir dann das Geocaching für uns entdeckt. Das lässt sich prima mit dem Radfahren oder Wandern verbinden, und das Suchen sorgte auch bei den Kindern für die nötige Spannung.
Am 1. August hast Du als erster Augsburger SR mit dem Testspiel FSV Inningen gegen den TSV Göggingen wieder ein Match geleitet. Was für ein Gefühl umgab Dich dabei, erstmals wieder ins SR-Dress zu schlüpfen und den grünen Rasen zu betreten?
Es war schon toll, endlich wieder pfeifen zu dürfen. Es war eine, bei mir eigentlich selten vorkommende Art von Nervosität zu verspüren. Auch hatte ich für „Standards“ neue Gedanken:
„hast du wirklich alles eingepackt, wie lauteten die Regeländerungen nochmal, was war das mit dem neuen Spielberichtsbogen, wo ist die verdammte Maske“….?? Eigentlich einfache, banale Dinge, über die ich sonst nicht nachdenke, sondern die im Ablauf einfach drin sind.
Bekanntlich erfolgte der Restart in unseren Spielen des Kreises Augsburg nur unter verstärkten Hygienemaßnahmen. Wie hattest Du diese vor, während bzw. nach dem Spiel wahrgenommen?
Nun, wenn man sich länger kennt begrüßt man sich, dies fand mit allen sehr abgeschwächt statt. Die Gäste nicht in der Kabine, sondern umgezogen auf der Tribüne. Die Heimelf über mehrere Kabinen verteilt – das war der erste Eindruck.
Die Spiel- und Ersatzbälle wurden vor dem Spiel ordentlich gereinigt, desinfiziert und gleich eingepackt das ja keiner mehr hinfasst.
Nach dem Spiel kein Duschen der Teams sondern direkte Heimreise. Beim gesamten Ablauf war man sehr bemüht und versuchte unter Einbeziehung aller die Vorgaben und Abstände bestmöglich umzusetzen.
Wie lief dabei z.B. das Einlaufen bzw. die Platzwahl ab bzw. wie verlief das Spielende?
Beide Mannschaften hatten sich ja bereits am Platz warm gemacht, waren somit schon am Feld und hatten jeweils eine Spielhälfte in Beschlag genommen. Diese wurde dann einfach beibehalten. Ein kurzer Kommentar von mir: „Die Gäste spielen an – passt oder?“ und die Platzwahl war auch durch.
Dann kam aber noch vor dem Anspiel die Frage eines Gästespielers: „Du Schiri was ist, wenn ich im Spiel mal spucken muss?“ Da musste ich echt kurz nachdenken und meinte dann nur: „Lass es heute einfach, oder warte bis zu Pause“.
Die meisten Akteure kennen sich ja aber es gab nach dem Spiel kein großes Abklatschen. Lediglich vereinzelt ein kurzer „Ellbogen-Abklatscher“ war zu vernehmen.
Konntest Du während des Spiels feststellen, dass die Spieler etwas vorsichtiger agieren? Hatte sich gar beim Verhalten der Akteure gegenüber den Gegenspielern und dem SR verändert?
Bei den Zweikämpfen konnte ich keinerlei Zurückhaltung feststellen. Es wurde genauso gehalten, gezogen, geschoben oder gegrätscht wie immer. Auch beim Reklamieren tat sich nichts im Vergleich zu davor. Die Traube beim Torjubel war aber merklich kleiner und zurückhaltender.
Waren eigentlich Zuschauer zugelassen? Falls ja, konntest du dabei gewisse "Verhaltensregeln" (Abstand, Mundschutz, Verzehr von Speisen und Getränken) feststellen?
Nein, es waren keinerlei Zuschauer zugelassen. Lediglich die Akteure und Betreuer durften auf das Sportgelände. Somit gab es auch keinen Verkauf. Etwas verspätet ist dann noch der Presse-Fotograf gekommen.
Du hattest sicherlich auch mit den Verantwortlichen Kontakt? Wie haben sich diese hinsichtlich um die Zukunft geäußert?
Hier merkt man schon, dass sich alle Gedanken machen, wie es mit dem Spielbetrieb weitergehen wird, und ob dieser nach den ganzen Urlaubsrückkehrern überhaupt noch möglich ist. Die Zuschauerfrage trifft hingegen bei allen, mit denen ich gesprochen habe auf Unverständnis.
Du hast ja viele Jahre den höheren bayerischen Ligen bis hin zur Landesliga angehört und bestreitest nun Deine letzte Bezirksliga-Saison. Wie schauen Deine persönlichen Ziele im SR-Wesen allgemein aus?
Ich hatte ja angekündigt in meine letzte Saison als SR der Bezirksliga zu gehen. Aber die Saison hatte ich mir definitiv anders vorgestellt. Mittlerweile bereue ich es fast schon wieder ein Stück und denke mir, ein „Jährchen“ wäre schon noch gegangen.
Ich werde aber sicherlich weiterpfeifen und mich in den unteren Klassen, oder als Assistent einbringen. Ich beobachte ja auch schon seit geraumer Zeit im Bezirk und könnte mir durchaus vorstellen, dies auch im Verband zu tun.
Manni, vor gut einem Jahr lief Dein Sohn Benjamin mit den SR beim Bundesligaspiel Bayern gegen Hoffenheim vor 70.000 Zuschauern in der Allianz-Arena in München ein. Wie habt ihr die Geisterspiele der letzten neun Spieltage verfolgt?
Nach diesem Mega-Erlebnis in der Allianz-Arena vor leeren Zuschauerrängen natürlich umso mehr erschreckend. Da ich während dieser Zeit enorm viel Freizeit hatte haben wir jeden Samstag die Bundesliga-Konferenz sowie auch andere Sportarten im TV verfolgt.
Als große AEV-Fans, haben wir uns die Wiederholungen der spannenden Play-Off-Runde regelrecht aufgesogen. Aber auch die diversen „Best of Sendungen“ über Fußball-Weltmeisterschaften, legendäre Pokalspiele oder Europokalspiele – insbesondere die Spiele von Bayern München - waren sehr gefragt.
Da wir uns speziell fürs Fußball schauen Sky zugelegt haben, hatten wir auch Zugriff auf viele Tier-Dokumentationen, welche meine Kids Benjamin und Melissa geradezu lieben.
Manni, vielen Dank für Deine fundierten Ausführungen. Wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute und weiterhin viel Freude am Fußball. Das Interview führte Christian Heinisch