Zehntes Wintertrainingslager in Bliensbach
(cph). Bei der ersten Gruppenveranstaltung des Jahres feierten wir gleich ein kleines Jubiläum: Denn inzwischen zum zehnten Mal waren wir im Schullandheim Bliensbach zum Trainingslager. Neben den Gruppen Neuburg und Aalen waren erstmals auch Kameraden von Donau und dem Ostallgäu dabei. Neuburgs Obmann Jürgen Roth hatte im Vorfeld wieder einmal ganze Arbeit geleistet und das Lehrteam um Patrick Krettek und Steffen Grimmeißen ein tolles und abwechslungsreiches Programm vorbereitet.
Zudem hatte mit Helmut Geyer auch heuer ein hochrangiger Referent den Weg nach Bliensbach gefunden. Der Schwabe pfiff bis zur Oberliga (der damals höchsten Amateurliga) und war von 1987 bis 1991 „Linienrichter“ in der Bundesliga im Gespann von Eugen Striegel. Seine Funktionärslaufbahn begann er als Obmann seiner Heimatgruppe Ludwigsburg, danach war er im Württembergischen Fußballverband tätig. Von 2010 bis 2018 war er sogar Obmann des Süddeutschen Fußballverbandes und hatte viele weitere Funktionen auf DFB-Ebene inne. Seit letztem Jahr ist er ohne offizielles Amt, beobachtet aber nach wie vor Spiele in der Bundesliga. In einem kurzweiligen und mit vielen Videoszenen gespickten Referat wies er anfangs darauf hin, dass es für eine gute Spielleitung unerlässlich sei, gleiche Situationen gleich zu bewerten. Hierfür sei es hilfreich, sich Referenzszenen zu merken und das Strafmaß danach auszurichten. Auch dürfe man sich vor einer roten Karte nicht scheuen. „Sucht nicht Argumente für denjenigen, der die Regel übertritt“, so der Leitsatz von Helmut. Für die entscheidenden Szenen sei es wichtig, den Spielverlauf vorauszusehen und rechtzeitig zu antizipieren, sich situativ zu positionieren, um nicht nur reagieren, sondern agieren zu können. Die Entscheidungen sollten ruhig und gelassen, aber entschlossen getroffen werden. Auch sei eine sinnvolle Kommunikation mit Spielern unerlässlich; hierbei solle man authentisch auftreten und sich selbst bleiben. Dies gelte auch für die Assistenten. Anschließend gab Helmut einen interessanten Einblick in die Tätigkeit des Videoassistenten. Eine Übertragung der in Köln überprüften Szenen im Stadion sei sinnvoll, jedoch scheitere dies derzeit an Lizenzgründen. Zum Abschluss zeigte Geyer noch ein paar knifflige Szenen zum Thema Handspiel. So konnte jeder aus dem Vortrag viele interessante Aspekte mitnehmen. Mit ein paar Kennenlernspielen in der Halle unter Leitung von Steffen Grimmeißen klang anschließend das Lehrgangsprogramm des ersten Tages aus.
Die Samstagseinheiten waren in zwei Gruppen zu absolvieren, abwechselnd standen Theorie- und Sporteinheiten in der Halle an. Während im Hörsaal ein Konfirmitätstest, ein Stressregeltest sowie eine Analyse von sechs Spielsituationen anstanden, hatte sich wie im Vorjahr Dieter Deak, Trainer des SV Strass und Bruder vom Neuburger Kameraden Sebastian Deak, ein abwechslungsreiches Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining ausgedacht - verteilt auf drei Einheiten à 45 Minuten. Nach dem Abendessen schauten wir die Sportschau, ehe in der Halle noch ein Fußballturnier ausgetragen wurde. Ansonsten standen die Abende im Zeichen des geselligen Beisammenseins - Pokern, Schafkopf, Kickern, Tischtennis und Bierpong waren die Hauptbeschäftigungen. Zweifelloser Höhepunkt waren jedoch wieder die Mitternachtsbrotzeiten, für die Jürgen Roth wieder einmal weder Kosten noch Mühen scheute.
Am Sonntagmorgen stand nochmals eine einstündige Trainingseinheit in der Halle an. Spätestens danach waren alle körperlich völlig am Ende und froh, dass die „Schinderei“ überstanden war. Dennoch hat das Training allen viel Spaß gemacht und die Teilnehmer bedankten sich bei Dieter mit einem kräftigen Applaus. Im Hörsaal standen noch die Auswertung des Regeltests sowie die gemeinsame Besprechung der Videosequenzen und deren Einfluss auf den Beobachtungsbogen an. Abschließend wurde das beste Team des Wochenendes ausgezeichnet, bevor alle ein positives Fazit zogen. Besonderer Dank gilt dem Neuburger Organisationsteam um Jürgen Roth sowie dem Lehrteam um Patrick Krettek und Steffen Grimmeißen für das tolle Programm und das durchweg gelungene Wochenende. Einziger Wehrmutstropfen aus nordschwäbischer Sicht war die geringe Teilnehmerzahl; lediglich elf Kameraden waren von unserer Gruppe heuer dabei. Es bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr wieder mehr Nordschwaben den Weg nach Bliensbach finden, denn Regelkenntnis und Fitness sind für jeden Schiedsrichter unerlässlich und das Trainingslager sucht in jeder Hinsicht - auch kameradschaftlich über die eigene Gruppe hinaus - seinesgleichen.
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