FIFA-Schiedsrichterin Kateryna Usova flüchtete aufgrund des russischen Angriffskrieges aus ihrer Heimat ins unterfränkische Aschaffenburg. Am Sonntag kam die 30-Jährige erstmals in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga als vierte Offizielle zum Einsatz.
Die schrecklichen Bilder in den Medien lassen erahnen, wie traumatisierend die aktuellen Ereignisse in der Ukraine für die Bevölkerung sein müssen. Zerbombte Städte, Familien in Bunkern und die Angst vor dem nächsten Angriff. Mehr als fünf Millionen Menschen ergriffen seit Beginn des Krieges laut UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Flucht. Deutschland zählt etwa 370.000 Geflüchtete.
In der Bundesrepublik werden die Ukrainer*innen - überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen - mit offenen Armen empfangen. Egal ob Unterstützung bei der Wohnungssuche, Grundversorgung oder Behördengänge - die Hilfsbereitschaft und Solidarität ist enorm. Auch und gerade im Fußball. Tausende Amateurvereine öffnen ihre Tore für ukrainische Geflüchtete, ermöglichen ihnen in der ungewohnten Fremde auf dem Rasen für wenige Stunden etwas Ablenkung und Normalität.
Kateryna Usova: Seit 2017 FIFA-Schiedsrichterin
Kateryna Usova ist seit 2017 FIFA-Schiedsrichterin, die 30-Jährige ist in Kiew geboren und leitete bereits internationale Spiele, zum Beispiel bei der U17-EM der Juniorinnen. Ihre Flucht führte sie und Teile ihrer Familie nach Aschaffenburg, wo sie von einer deutschen Familie sehr herzlich aufgenommen wurde. Einige Familienmitglieder mussten jedoch in der Ukraine zurückbleiben. Eine äußerst belastende Situation für die junge Frau. Um durch ihre Leidenschaft als Unparteiische zumindest zeitweise ein wenig Ablenkung zu finden, berief der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Ukrainerin am Ostersamstag für die Spielleitung des Duells zwischen dem SC Dortelweil und dem SC Freiburg in der B-Juniorinnen-Bundesliga.
Das Gespann um Mirka Derlin, Janna Poppen und Davina Lutz signalisierte im Vorfeld des Spiels zwischen Eintracht Frankfurt und Bayer 04 Leverkusen (0:0, 2:1) in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga die Bereitschaft, Kateryna Usova in ihr Team einzubinden. Die Verantwortlichen im DFB-Schiedsrichterausschuss freuten sich über diese Bereitschaft und setzten Usova als vierte Offizielle für die Partie an. Und so stand die 30-Jährige in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga am statt in der ukrainischen 2. Herren-Liga auf dem Spielfeld.
„Die Einsätze geben Kateryna viel Kraft und Lebensmut“
„Die Einsätze geben Kateryna viel Kraft und Lebensmut. Daher versuchen wir, sie regelmäßig bei Spielen einzusetzen“, erklärt Christine Baitinger. Das Mitglied des DFB-Schiedsrichterausschusses steht daher bereits mit dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) in Kontakt. „Kateryna hat auf ihrer Flucht sogar ihr Schiri-Trikot eingepackt. Das zeigt, wie motiviert sie ist. Sie freut sich über jeden Einsatz.“
Auch beim BFV wird die FIFA-Schiedsrichterin zum Einsatz kommen. In den kommenden Wochen wird Usova zuerst ihre Schiedsrichter-Kollegin Navina Haupt als Assistentin an der Seitenlinie begleiten und so erste Erfahrungen auf Bezirks- dann auf Landesliga-Niveau sammeln. „Wir wollen, dass Kateryna sich bei uns wohlfühlt und werden sie nach einer kurzen Eingewöhnungsphase auch als Schiedsrichterin in unseren Verbandsligen einteilen. Sie bringt als FIFA-Schiedsrichterin natürlich alle Voraussetzungen dafür mit“, erklärt Verbands-Schiedsrichterobmann Walter Moritz und fügt hinzu: „Unsere Unterstützung beschränkt sich natürlich nicht auf die Spitzen-Schiedsrichter*innen aus der Ukraine. Ganz im Gegenteil: Auch Amateur-Schiedsrichter*innen sind herzlich willkommen, sich beim Bayerischen Fußball-Verband zu melden. Wir stellen gerne den Kontakt zur örtlichen Schiedsrichtergruppe her und sorgen so für eine schnelle Integration geflüchteter Unparteiischer.“
Um nicht nur ukrainische Geflüchtete in Deutschland zu unterstützen, sondern auch dringend benötigte Hilfe vor Ort zu leisten, riefen DFB, BFV und die weiteren 20 Landesverbände Ende März zu einem Solidaritätsspieltag auf. Mehr als 300.000 Euro konnte die DFB-Stiftung Egidius Braun dadurch für Sozialprojekte in der Ukraine zur Verfügung stellen. Das Geld stammt aus Spenden aus dem Breitenfußball, sowie aus Zuwendungen des DFB und der Nationalmannschaft, die im Vorfeld zugesagt hatten, die Spenden der Basis jeweils bis zu einem Betrag von 100.000 Euro zu verdoppeln.
„Mehr als 130.000 Euro wurden bei den Spielen an der Basis gesammelt. Das ist ein großartiges Ergebnis und zeigt, wie groß die Solidarität aller Fußballerinnen und Fußballer mit den notleidenden Menschen in der Ukraine ist. Wir sind dafür von Herzen dankbar“, sagt der für den Amateurfußball zuständige 1. DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann.
Der Fußball zeigt Solidarität - weit über symbolische Gesten hinaus.