Das Hans-Walter-Wild-Stadion wird am Donnerstag, 20. Juli 2023, Schauplatz des Eröffnungsspiels der Regionalliga-Saison 2023/24 zwischen der heimischen SpVgg Bayreuth und dem SV Schalding-Heining (18.45 Uhr, live bei Niederbayern TV) sein. Schon jetzt trafen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Klubs mit den Verantwortlichen des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) bei der „Oldschdod“ zu ihrer traditionellen Sommertagung.
Die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz – und dort hat sich auch in der jetzt zu Ende gegangenen Saison einmal mehr die Stärke der bayerischen Top-Liga gezeigt: Im elften Jahr seit ihrer Gründung hat die Regionalliga Bayern mit dem amtierenden Meister SpVgg Unterhaching den achten Aufsteiger gestellt, der aktuelle Titelträger hatte sich in den Play-offs gegen Nordost-Meister FC Energie Cottbus durchgesetzt. Zudem hatte Verbands-Spielleiter Josef Janker erfreuliche Zahlen mit nach Bayreuth gebracht. Der Durchschnitt der Zuschauerinnen und Zuschauer wuchs in der abgelaufenen Spielzeit von 603 (2021/22) auf mittlerweile 812, dazu kommen insgesamt weit mehr als fünf Millionen Menschen, die sich die Partien im TV, Stream oder „on demand“ angesehen haben.
Auf der sportlichen Stärke aber will sich BFV-Präsident Christoph Kern nicht ausruhen, in seiner Vision von der „Regionalliga Bayern 2030“ nahm er die Klub-Vertreterinnen und -Vertreter mit ins Boot und kokettierte ganz bewusst auch mit der einen oder anderen provokanten These: „Wir müssen uns zukunftsorientiert aufstellen. Dazu gehört es, die Marke zu schärfen und die Identität zu stärken. Wir müssen die Standards weiter stringent professionalisieren, da gibt es kein rechts und kein links“, sagte Kern: „Ich war in der abgelaufenen Saison auf vielen Plätzen – und, ja, es gibt Regionalliga-Standorte, da vermisse ich unsere Marke. Wo Regionalliga Bayern drauf steht, muss auch Regionalliga Bayern drin sein. Und zwar ausnahmslos. Diese Marke muss mir aber auf den ersten Blick auch ins Auge springen.“ Nur dann, wenn diese Unverwechselbarkeit sofort zu erkennen ist, ließen sich weitere Vermarktungspotenziale heben oder die mediale Präsenz weiter steigern. Alle Klubs zusammen müssten hier mit einer Stimme sprechen, Denkverbote dürfe es keine geben – „wenn wir etwas ändern wollen“, betonte Kern „braucht es eine Sprache und die Überzeugung, etwas besser zu machen. Lasst uns diesen Weg zusammen gehen.“
Mit auf diesem Weg sind bereits die beiden, jetzt in Bayreuth bestätigten, Ligasprecher Andreas Huber vom SV Wacker Burghausen und Sebastian Dremmler vom FC Bayern München. „Wir haben uns mit Christoph Kern bereits mehrfach getroffen und einiges besprochen – ein Ergebnis dieser sehr offenen und zielführenden Gespräche sind die jetzt vorgenommenen Anpassungen beim Zulassungsverfahren. Wir alle haben nur ein Ziel: unsere Regionalliga weiter zu verbessern und fit für die Zukunft zu machen“, betonte Huber.
Dabei geht der BFV seit der abgelaufenen Saison Hand in Hand mit dem BR Fernsehen – die Regionalliga Bayern hat ihren festen Sendeplatz am Samstagnachmittag im „Dritten“: Insgesamt 3,5 Millionen TV-Zuschauerinnen und -Zuschauer sahen die insgesamt 27 samstäglichen Spielzusammenfassungen. Bayerns Spitzenliga ist längst auch ein Publikumsmagnet im Netz: Die 379 Partien, die jeweils kurz nach dem jeweiligen Spielende auf dem YouTube-Kanal des Bayerischen Fußball-Verbandes zu sehen sind, wurden in der Saison 2022/23 insgesamt 2,1 Millionen Mal abgerufen. Seit Feburar 2023 präsentiert sich die Regionalliga Bayern auch auf ihrem eigenen Instagram-Kanal. Durchschnittlich 2200 Menschen sahen sich zuletzt die automatisiert produzierten Sporttotal-Livestreams aus dem Freistaat an.
Michael Völk vom Verbands-Schiedsrichterausschuss berichtete für die Seite der Unparteiischen von einem absolut zufriedenstellenden Saisonverlauf und sprach dabei ausdrücklich von einem „kollegialen Umgang und einer Wellenlänge, die passt“. Mit Hinblick auf Regel-Anpassungen zur neuen Saison setzen die Referees auch jetzt wieder auf den direkten Austausch mit den Trainern der Regionalligisten, die sämtliche Informationen zeitnah persönlich in einem Online-Meeting erhalten werden: „Sowohl hinsichtlich der Abseitsauslegung als auch bei der persönlichen Strafe beim Foulspiel im Strafraum ist das Regelwerk jetzt etwas großzügiger gehalten“, sagte Michael Völk. „Wenn es sein musste, weil wir aus Sicht der Vereine vielleicht das eine oder andere anders beurteilt haben, dann waren das immer sehr konstruktive Gespräche“, sagte auch Andreas Huber.
Verbandsanwalt Friedrich Reisinger berichtete von der sinkenden Zahl an Platzverweisen (-9) in der Saison 2022/23, dagegen musste sich das Sportgericht Bayern mit insgesamt 36 Verstößen gegen die Platzdisziplin (+21) beschäftigen, darunter der Abbruch der Partie zwischen Türkgücü München und dem FC Bayern München II sowie insgesamt 20 Pyrotechnik-Vorfälle. Hier sieht die Rechts- und Verfahrensordnung Mindeststrafen von 300 Euro vor. Weitere Kriterien wie etwa die Gefährdung von Personen oder das mehrfache Abbrennen von Pyrotechnik führen zu einem merklich höheren Strafmaß, machte Reisinger deutlich.
Polizei-Hauptkommissar Jürgen Jehl von der Landesinformationsstelle für Sporteinsätze (LIS) wollte in der „ersten Saison nach Corona“ noch nicht wirklich bilanzieren, sagte aber grundsätzlich, „dass die Regionalliga Bayern nicht nur mehr Zuschauerinnen und Zuschauer verzeichnet, sondern auch mehr polizeiliche Vorfälle registriert werden. Das gilt es zu beobachten, Schlüsse lassen sich daraus jetzt noch nicht abschließend ziehen“.