Es war die Überraschung der ersten Hauptrunde im Toto-Pokal-Wettbewerb: Der mittelfränkische Bezirksligist TuS Feuchtwangen schaltete die drei Etagen weiter oben beheimatete SpVgg Unterhaching aus und steht damit als einziger Kreis-Pokalsieger in der Runde der letzten 32 Teams, die an diesem Freitag ab 16 Uhr (Stream bei YouTube) vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) ausgelost wird.
Es war spät. Sehr spät. So eben wie es sich gehört, wenn man Großes geleistet und etwas zu feiern hat. „Ich bin gegen Mitternacht nach Hause, aber um 1.55 Uhr hatte ich noch Nachrichten von Spielern auf dem Handy, die noch um die Häuser gezogen sind“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Wolfgang Guttropf: „Ja, der Sieg im Elfmeterschießen war schon etwas Herausragendes, zweifelsfrei der Höhepunkt unserer jüngeren Vereinsgeschichte.“
Fast auf den Tag genau vor 46 Jahren nämlich war der TuS schon einmal weiter: Damals, am 8. August 1976, sahen 4000 Zuschauer im Heinz-Seidel-Stadion einen Feuchtwanger 4:3-Erfolg nach Verlängerung in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen den SV Weiskirchen. Und die Mittelfranken waren sogar auf dem Weg in Runde 3, hatten daheim vor 6000 Fans den FC Gütersloh am Rande einer Niederlage – doch trotz eines 2:0-Vorsprungs reichte es am Ende nicht, auch hier entschied ein Tor in der Verlängerung das Match (2:3). „Der Pokal scheint uns irgendwie zu liegen“, sagt Guttropf, dessen Team vor Wochenfrist mit einem 2:2 (0:2)-Remis beim SV Zirndorf in die neue Spielzeit der Bezirksliga Mittelfranken Süd gestartet ist.
Große Träume hatten sie an der Romantischen Straße zunächst nicht, die Devise lautete für Guttropf & Co. indes vielmehr „Schadensbegrenzung. Wir haben an den Ergebnissen gesehen, dass der eine oder andere in der ersten Toto-Pokal-Runde ziemlich unter die Räder gekommen ist. Wir wollten uns gegen Haching gut aus der Affäre ziehen und bloß nicht zweistellig untergehen“. Es kam alles anders, der Bezirksligist zeigte Zähne, hatte gleich zu Beginn zwei, drei hochkarätige Möglichkeiten: „Wir hätten zur Pause eigentlich sogar führen müssen“, sagt der TuS-Abteilungsleiter aus der 12.600 Einwohner zählenden Stadt im Landkreis Ansbach: „Nach dem Seitenwechsel ist der Druck aber größer geworden, ans Weiterkommen habe ich nicht gedacht und auch keinen Gedanken verschwendet - wir haben auf dem Platz Beton angerührt.“ Und ab der 75. Minute dämmerte es ihm dann aber doch, „dass wir es tatsächlich irgendwie ins Elfmeterschießen packen können. Wir haben’s geschafft und dann war klar, dass wir eine 50:50-Chance haben“.
Im Roulette vom Punkt parierte zunächst Goalie Jens Lindörfer den Versuch von Hachings Leo Gabelunke, dann machte Steven Bartels mit seinem Elfer zum 5:3 den Pokal-Coup perfekt. „Ein großer Tag“, sagt Wolfgang Guttropf und schiebt im gleichen Atemzug nach, „dass Unterhaching ein großer Klub ist“.
In der Stunde der Niederlage zeigte sich SpVgg-Präsident Manfred Schwabl als fairer Verlierer und gewohnt leutselig: Nach der Pressekonferenz mit Tus-Trainer Daniel Pfeuffer und Hachings Coach Sandro Wagner schnappte sich der Ex-Profi das Mikrofon und verzichtete auf den zustehenden SpVgg-Anteil der Eintrittsgelder. „Das ist schon ein extrem anständiger Kerl, ein nahbarer und bodenständiger Typ. Das haben alle so gesehen, unserer Kasse tut diese Geste gut, aber so etwas hätte ich nicht erwartet“, erzählt Guttropf: „Manni Schwabl war auch noch bis um elf Uhr bei uns im Sportheim, nichts war ihm zu viel – und das trotz einer Niederlage. Das zeigt, wie dieser Mensch tickt.“
Es ist der Fußball, der diese Geschichten schreibt – beim TuS Feuchtwangen soll diese Geschichte um mindestens ein Toto-Pokal-Kapitel fortgeschrieben werden. Die Reise geht weiter – und bei der Auslosung an diesem Freitag (ab 16 Uhr im Stream auf YouTube) hat der Bezirksligist das Privileg, sich als einzig verbliebener Kreispokalsieger seinen Gegner auszusuchen. „Wir wissen genau, was wir wollen“, sagt der Abteilungsleiter, lacht herzlich und nennt keine Namen. Eines aber steht seit dem denkwürdigen Abend von Feuchtwangen fest: Regionalligist SpVgg Unterhaching ist nicht mehr im Topf…
Der Toto-Pokal-Wettbewerb wird in Bayern bereits seit 1998 ausgespielt. Dabei geht es nicht nur um Prestige und einen großen Pokal, sondern auch um einen Startplatz in der lukrativen 1. Hauptrunde des DFB-Pokal-Wettbewerbs – inklusive der garantierten Prämien in Höhe von rund 210.000 Euro aus den Vermarktungserlösen. Namensgeber des bayerischen Verbandspokals ist der langjährige BFV-Partner LOTTO Bayern. Amtierender Titelträger ist der FV Illertissen, der sich im Endspiel mit 5:4 nach Elfmeterschießen gegen den Ligakonkurrenten TSV Aubstadt durchgesetzt hatte.