Der DFB-Campus in Frankfurt am Main ist heute Schauplatz des 45. Ordentlichen Bundestages des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Aus bayerischer Sicht fokussiert sich der Blick auf Silke Raml (50). Die stellvertretende Präsidentin des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) ist die Kandidatin des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) für die Position als DFB-Vize-Präsidentin. Zudem steht mit Oskar Riedmeyer (65) ein weiterer Kandidat zur Wahl – der Münchner Jurist und frühere Vorsitzende des BFV-Verbands-Sportgerichts tritt als Vorsitzender des DFB-Bundesgerichts an.
Silke Raml, Inhaberin der Trainerinnen-B-Lizenz aus Straubing, ist bereits seit 2013 Mitglied des Frauen- und Mädchen-Ausschusses beim DFB und seit 2019 dessen Vorsitzende. Diesen Vorsitz gibt die Abteilungsleiterin für Zentrales, Personal und Finanzen im Landratsamt Straubing-Bogen jetzt beim DFB-Bundestag ab und kandidiert als Vize-Präsidentin. Den DFB vertritt die frühere Bayernliga-Spielerin des TSV Grafenau und des VfB Straubing bei der Europäischen Fußball-Union UEFA in der Kommission für Frauenfußball. 2022 wurde Silke Raml, die fast ein Jahrzehnt lang ehrenamtlich in der Talentförderung als Trainerin im Freistaat aktiv war, zur ersten Stellvertreterin des Präsidenten in der BFV-Historie – seit 2012 gehört sie dem BFV-Vorstand an, seit 2014 als Vizepräsidentin dem BFV-Präsidium.
„Der Ehrgeiz, etwas bewegen zu wollen, begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich habe klare Ziele und Vorstellungen, für die ich mich Tag für Tag einsetze. Wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen wirklich anzugehen, dann kann man vieles erreichen – und genau deshalb möchte ich jetzt den nächsten Schritt machen“, sagt Raml, die BFV-Präsident Christoph Kern als „ein echtes Kind des Amateurfußballs“ bezeichnet: „Sie kennt den Fußball aus dem Effeff: als Spielerin, als Trainerin, in der Talentförderung und seit vielen Jahren auch in verantwortungsvollen Positionen bei uns im Landesverband – aber eben auch darüber hinaus.“ Insgesamt sind 262 Delegierte am Bundestag stimmberechtigt, darunter 21 aus Bayern.
Der Münchner Rechtsanwalt Oskar Riedmeyer hatte vor rund einem Jahr den Vorsitz beim Verbands-Sportgericht des BFV aufgegeben und war vom DFB-Präsidium zum Bundesgerichts-Vorsitzenden berufen worden. Seit dem 30. September 2024 übt Riedmeyer das Amt des Vorsitzenden des DFB-Bundesgerichts zunächst kommissarisch aus, nachdem Achim Späth an diesem Tag aus persönlichen Gründen aus dem Amt geschieden war. Nun tritt Riedmeyer, der bereits seit 2007 stellvertretender Vorsitzender des DFB-Bundesgerichts und bis 1. August 2024 fast 20 Jahre lang Vorsitzender des BFV-Verbands-Sportgerichts war, in Frankfurt zur Wahl an.
Dagegen verlässt mit Anton Nachreiner an diesem Freitag ein juristisches Schwergewicht die nationale Fußball-Bühne. Der 70 Jahre alte frühere Präsident des Landgerichts Deggendorf war seit Oktober 2007 Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses – der Niederbayer tritt jetzt in Frankfurt nicht mehr an.
Im Anschluss an den Bundestag wird das dann neu gewählte DFB-Präsidium – DFB-Präsident Bernd Neuendorf tritt erneut an – zahlreiche weitere Ausschussmitglieder berufen. Darunter sind aus Bayern: BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher (Mitglied im Spielausschuss), die Vorsitzende des BFV-Frauen- und Mädchenausschusses Sandra Hofmann (Mitglied im Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball), BFV-Verbandsanwalt Fritz Reisinger (München, Mitglied für die 3. Liga im DFB-Bundesgericht), VSG-Vorsitzender Emanuel Beierlein (Mitglied im Kontrollausschuss), VSG-Mitglied Ariane Krause (Mitglied für Frauenfußball im DFB-Bundesgericht), VSG-Mitglied Oliver Lieb (Mitglied im DFB-Sportgericht), Walter Moritz (Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss, Mitglied im DFB-Sportgericht) sowie Gisela Raml (Mitglied des DFB-Sportgerichts für Frauenfußball-Angelegenheiten).
Die Delegierten des DFB-Bundesjugendtages in Frankfurt am Main haben BFV-Vize-Präsidenten Jürgen Pfau bereits das Vertrauen ausgesprochen und als Mitglied des DFB-Jugendausschusses gewählt. Auch Patrick Richnow (Jugend-Beisitzer für das DFB-Sportgericht) und Tina Lechner (Beauftragte des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball im DFB-Jugendausschuss) wurden am Bundesjugendtag gewählt und müssen jetzt im Anschluss an den DFB-Bundestag in Frankfurt durch das Präsidium berufen werden.
Neben der personellen Ausrichtung stehen weitere Tagesordnungspunkte auf der Agenda; darunter mit der geplanten Ausgliederung der Frauen-Bundesliga eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des größten Sportverbandes der Welt, der die Liga weiter professionalisieren und wirtschaftlich stärken möchte. Der DFB beabsichtigt, in den kommenden Jahren 100 Millionen Euro in den Frauen- und Mädchenfußball zu investieren. Maßgebliche Ansätze sind strukturelle Verbesserungen sowie die Steigerung von Vermarktungserlösen, um die besten Fußballerinnen in Deutschland zu halten.
Für die Landesverbände von besonderer Bedeutung ist der Masterplan 2026 zur Zukunftsstrategie Amateurfußball, der mit vier Handlungsfeldern das flächendeckende Netz der Fußballvereine stärken soll. Weitere wichtige Anträge betreffen unter anderem Änderungen bei der 3. Liga, der Spielordnung, der Jugendordnung sowie Anpassungen des Ethik-Kodex.