Der Start der Trainerkarriere von Stephan Christian hört sich zunächst an wie der ganz normale Fußball-Alltag im Freistaat. Der Bub entdeckt sein Interesse für Fußball und den örtlichen Verein, der Vater begleitet ihn regelmäßig zum Training und zu den Spielen und wird dann irgendwann von einem der Vereinsverantwortlichen angesprochen, ob er nicht – wenn er sowieso schon jedes Mal am Start ist – einfach als Trainer oder Mannschaftsbetreuer einsteigen will. Aber ganz so standardmäßig war es bei Stephan Christian dann am Ende doch nicht – wie ein Blick auf die Liste der Absolventen seines Lehrgangs zur C-Lizenz beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) verrät.
Denn dort taucht noch ein zweiter Christian auf: Günter Christian, sein Vater, Jahrgang 1949. Und das ist dann trotz der jährlich gut 180 C-Lizenz-Lehrgänge des BFV mit knapp 3000 Absolventinnen und Absolventen eher ungewöhnlich. Trainer und Betreuer auch im fortgeschrittenen Alter sind zwar keine Seltenheit. Auch dass Teilnehmer von speziellen Kindertrainer-Ausbildungen, in denen der Verband Menschen mit den Basics für ein modernes und gutes Kindertraining fit macht, im fortgeschrittenen Alter sind, kommt vor. Aber ein C-Lizenz-Lehrgang? Also eine fundierte und auch umfangreiche Trainerausbildung? Der Einstieg in die professionelle Trainerausbildung des BFV, auf die dann auch alle offiziellen Lizenzen bis hin zum im Profi-Fußball benötigten Fußballlehrer aufbauen? Bei den Christians war es irgendwie eine logische Konsequenz.
„Ich habe meinen Sohn Luca, der damals noch in der E2 der DJK Neustadt an der Waldnaab angefangen hatte, regelmäßig begleitet und wurde dann von Achim Neupert, dem 1. Vorstand des Vereins und damaligen Trainer der Mannschaft, angesprochen, ob ich nicht als Trainer der E2 bzw. als zweiter Mann einsteigen möchte. Da war ich erstmal überrascht und das kam für mich auch nicht wirklich in Frage. Aber ich habe damals direkt an meinen Vater gedacht“, erinnert sich Stephan Christian. Ein naheliegender Gedanke. Vater Günter hat Sport studiert, bis zu seiner Pension über viele Jahrzehnte als Lehrer mit Kindern gearbeitet und er war im Besitz eines alten Übungsleiterscheins. Warum also nicht in der Freizeit im Fußballverein den Enkel trainieren?
„Das war irgendwie einfach eine glückliche Fügung“, sagt Achim Neupert heute. Über den Vater von Luca kam ja der Kontakt zu dessen Opa Günter zustande, und der war dann tatsächlich bereit, bei uns als Trainer einzusteigen. Der hat das auch super gemacht. Er hat ein tolles Gespür für den Umgang mit Kindern, und dann hat es auch nur ein paar Wochen gedauert, bis auch sein Sohn Interesse hatte, die Aufgabe im Familienduo zu übernehmen.“ So kam es, dass Vater und Opa gemeinsam den Enkel trainiert haben.
Das war aber nur der Anfang einer vor allem fachlichen Entwicklung der beiden. „Ich bin ja völlig unbedarft an die Sache rangegangen, hatte eigentlich überhaupt keine Ahnung von Training. Aber der Ehrgeiz war dann bei uns beiden schnell geweckt, sich intensiver mit dem ganzen Thema zu beschäftigen. Wenn, dann richtig! Und auch von Vereinsseite wird da sehr darauf geachtet, dass die Qualität stimmt“, erzählt Stephan Christian.
In der Tat ist es bemerkenswert, wie konsequent der Verein in der 6000 Einwohner zählenden Stadt im Oberpfälzer Wald nahe der bayerisch-tschechischen Grenze auf Qualifizierung des eigenen Personals setzt. Die DJK hat aktuell 17 (!) Trainerinnen und Trainer mit C-Lizenz. „Uns ist einfach wichtig, dass wir unseren Kindern und Jugendlichen bestmögliche Bedingungen bieten. Dazu gehört neben einer guten Betreuung auch die Qualität der fußballerischen Ausbildung, und da führt dann auch kein Weg vorbei an einer fundierten Ausbildung der Trainerinnen und Trainer durch den Fußballverband“, erklärt Neupert. „Wir hatten dann schon länger geplant, einen dezentralen C-Lizenz-Lehrgang des Bayerischen Fußball-Verbandes bei uns im Verein durchzuführen. Letztes Jahr hat es dann geklappt und diesen Lehrgang haben wir dann natürlich auch allen bei uns im Verein angeboten und ans Herz gelegt.“
So kam es, dass die beiden Christians gemeinsam in ihre erste lizenzierte Trainerausbildung gestartet sind. „Ich bin auch hier erstmal genauso unbedarft reingestartet, hatte ja noch keine Ahnung, was mich erwartet und was wirklich alles zu modernem Kindertraining und Trainingswissen dazugehört. Heute kann ich nur sagen: Wahnsinn, was im Rahmen der Ausbildung vermittelt wird, und Wahnsinn, was mittlerweile an Know-how in den heutigen Trainingsmethoden – auch gerade mit der Trainingsphilosophie Deutschland – drinsteckt und wie sich das zum ‚Oldschool‘-Training von früher unterscheidet“, sagt Stephan Christian. Mit den gelernten Inhalten sei er heute in der Lage, auch alleine ein qualitativ gutes und anspruchsvolles Kindertraining auf die Beine zu stellen. Beeindruckend seien aber auch die Lehrgangsinhalte, die über das reine Training hinausgehen: organisatorische Aufgaben, Erste Hilfe, Aufsichtspflichten und rechtliche Rahmenbedingungen.
Die beiden Christians waren schnell von ihrer neuen Traineraufgabe so angefixt, dass nicht mehr das Training des eigenen Sohnes der Hauptantrieb war, sondern das Training und die Förderung aller fußballbegeisterten Kinder. Sohn Luca hatte sich ohnehin fußballerisch recht schnell so weiterentwickelt, dass er den Sprung in die E1 des Vereins schaffte. Sein Papa und sein Opa blieben aber den Kindern der E2 treu und werden das wohl auch noch länger bleiben.
„Es macht einfach riesig Spaß, und wir sehen uns jetzt auch trotz der C-Lizenz und den damit verbundenen Möglichkeiten, sogar höherklassiger oder leistungsorientierter oder in anderen Altersklassen zu trainieren, hier im Kinderfußball bei den Jüngsten. Es ist einfach so wichtig, dass bei denen mit gutem Training eine gute Grundlage gelegt wird. Mein Vater kann sich vorstellen, das noch die nächsten circa zehn Jahre zu machen“, sagt Stephan Christian. Dann wäre Günter Christian 86 Jahre alt – und damit nicht nur wahrscheinlich, sondern ganz sicher einer der ältesten aktiven Kinder- und Jugendtrainer im Freistaat.
Mehr zur professionellen Trainerausbildung des Bayerischen Fußball-Verbandes
Interesse, aber vielleicht erstmal reinschnuppern statt komplexer Ausbildung? Dann macht die Kindertrainer-Ausbildung Sinn! In einer kompakten Schulung gibt es das Know-how, das du brauchst, um dich in deinem Verein um den Fußballnachwuchs zu kümmern und ihm ein spannendes, abwechslungsreiches und auch gutes Fußballtraining zu ermöglichen. Mit der bayerischen Kinderfußball-Allianz ist die Teilnahme sogar kostenfrei und wird in allen sieben Bezirken angeboten.