Wenn man heute eine Schiedsrichtersitzung oder einen Lehrgang besucht, sieht welche Lehrmittel die Vortragenden verwenden und dabei überlegt, was davon schon vor längerer Zeit verfügbar war, bleibt eigentlich nichts übrig. Und so war es tatsächlich. Fragt man bei älteren Schiedsrichterkollegen nach, wie eine Pflichtsitzung oder ein Neulingslehrgang in den Fünfzigern oder Sechzigern ausgesehen hat, so wird man in seiner Vermutung bestätigt. Es gab fast keine Hilfsmittel. Der Vortrag des Lehrwarts konnte nur – falls vorhanden – durch eine Schiefertafel und Kreide unterstützt werden. Zur Vor- und Nachbereitung gab es nur das offizielle Regelbuch.
Ende der Fünfziger fanden noch keine expliziten Neulingslehrgänge statt. Bei Schiedsrichterkandidaten, die Fußball gespielt hatten oder noch spielten, nahm man an, dass sie die Regeln kannten und warf sie ins kalte Wasser. Man teilte sie zu Spielen ein und schaute, wie sie sich bewährten. Wobei es keine Betreuung oder Coaching gab. Man verließ sich auf die Meinung Dritter.
In den Sechzigern wurde die Schiedsrichtergruppe Schwabach sesshaft. Bisher fanden die Pflichtsitzungen abwechselnd in den Sportheimen unterschiedlicher Vereine statt. Fester Treffpunkt für die monatlichen Pflichtsitzungen war jetzt der Nebenraum im Goldenen Stern in der Wittelsbacher Straße. Dort wurden auch die Neulingslehrgänge durchgeführt. Die angehenden Schiedsrichter wurden über mehrere Wochen jeweils an einem festen Tag geschult. Die Prüfung wurde von einem Mitglied des Bezirksschiedsrichterausschusses abgenommen.
Zu Beginn der 70er kam etwas Bewegung in die Hilfsmittel. Georg Kern brachte mit Hilfe der ersten Kopierer eine Gruppenzeitschrift Schiedsrichtermitteilungen heraus. Aus acht DinA5-Seiten konnte man Regelneuerungen, Einteilungen zu besonderen Spielen und weitere wichtige Informationen entnehmen. Leider gab es nur wenige Ausgaben. Eine weitere sich verbreitende Neuerung, die Dia-Fotografie, inspirierte Lehrwart Walter Swoboda. Mit Unterstützung der Spieler des TV Büchenbach stellte er Abseits- und Foul-Szenen nach und hielt sie mit seiner Diakamera fest. Mit Hilfe eines Diaprojektors konnte er die Bilder dann „an die Wand werfen“ oder auch auf eine aufzustellende Leinwand projizieren, um den Schiedsrichtern die Lerninhalte anschaulicher zu vermitteln.
Die Schiedsrichtergruppe wuchs von ca. 25 Ende der Fünfziger über 35-40 zu Ende der Sechziger auf 134 im Jubiläumsjahr 1981. Die Sitzungen fanden nun im wesentlich größeren AWO-Saal in Schwabach statt. Förderungsfähige Neulinge wurden nun auch bei ihren Einsätzen unterstützt. Dabei engagierten sich hauptsächlich Georg Kern, Robert Kleinöder, Georg Trump und Emil Weißmann.
Der nächste „Technologie“-Schub kam mit den Overheadfolien. Diese wurden auch durch den BFV unterstützt. Besonders engagierte sich dabei im Verbandslehrstab Ludwig Jerger (Schwaben). Den Spitznamen „Don Folio“ hatte er sich wirklich verdient. Er erstellte unzählige Folien, um das Regelwerk anschaulicher zu gestalten und stellte sie den Schiedsrichtergruppen zur Verfügung.
1988 war dann der Start für die Gruppenzeitschrift Schwarze Seiten, die immer noch besteht. Neben Regeltests, Regelneuerungen, Berichte über Lehrgängen und „amtlichen“ Infos, gab es auch launische Berichte zu Ausflügen, Feiern und besonderen Erlebnissen. Wurden in den ersten Ausgaben dort die Vorlagen für die Regeltests noch individuell per Schreibmaschine erstellt, gab es Mitte der Neunziger auch hier eine Neuerung: Regeltests konnten mit Hilfe eines MSDOS-Programms erstellt, gespeichert und ausgedruckt. Erstellt hatte es Gerhard Pech (Gruppe Fürth) aus dem Verbandslehrstab.
Beginnend mit dem neuen Jahrtausend ist Jura Nord mit einer Seite im Internet vertreten. Erster Webmaster war Sven Laumer. Aus den Internetseiten konnten jetzt Regeländerungen und Infos noch schneller den Schiedsrichtern bereitgestellt werden. Um die jungen Talente besser fördern zu können, gründeten Sven Laumer - inzwischen Lehrwart - und Jugendeinteiler Thomas Schrimpff eine Fördergruppe. Die Mitglieder dieser Gruppe sollten durch individuelle Veranstaltungen intensiver durch das Lehrteam gefördert, aber auch gefordert werden. Die Tradition des Förderlehrgangs in Zandt, einem Wochenendlehrgang mit Schulungen, Gastreferenten, aber auch Freizeitangeboten startete dann 2005.
Bei der Technik lösten zwischenzeitlich Laptops und Notebooks die stationären PCs immer mehr ab. Man musste die Overheadfolien nicht mehr unbedingt zu Hause ausdrucken, sondern konnte das Notebook mit in die Sitzung nehmen und die Folieninhalte direkt vom Notebook per Beamer auf der Leinwand anzeigen. Mit Beamer und Notebooks bekam nun auch die Möglichkeit Lehrvideos zu präsentieren und aufgezeichnete Spielsituationen zu diskutieren.
Die Corona-Pandemie sorgte in den Jahren 2020 und 2021 für große Veränderungen. In Ermangelung von Präsenzversammlungsmöglichkeiten mussten Sitzungen und Lehrgänge Online abgehalten werden. Statt an einem Tisch im Sitzungslokal bei Charlie saßen alle vor ihren PC-Bildschirmen und verfolgten von dort die Ausführungen von Obmann und Lehrteam oder bearbeiteten zu einer beliebigen Tageszeit Online-Lernmodule auf einer Plattform des DFB. Sogar Regeltests wurden auf diese Weise abgelegt. Nach Wegfall der Beschränkungen wurde jedoch wieder weitgehend zu den „traditionellen“ Sitzungsformen zurückgekehrt. Lediglich einzelne Abende werden weiter Online durchgeführt.
Mal schauen, was die Zukunft alles noch bringt. Vielleicht stehen zukünftig zu Trainingszwecken Schiedsrichter mit komischen Helmen auf einem Platz. Diese Virtual-Reality-Helme haben einen Bildschirm im Visier, auf dem simulierte Spielsituationen dem Träger angezeigt werden. Die Sicht des Trägers wäre dabei abhängig von seiner Position auf dem Spielfeld. D.h. je nach Stellungsspiel würde er die Situation anders sehen und die Assistenten hätten ihre Linienrichtersicht wie auch auf dem realen Spielfeld.
| Georg Trump (TSV 04 Schwabach) | 1952 bis 1968 |
| Georg Kern (TSV Georgensgmünd) | 1968 bis 1971 |
| Walter Swoboda (SV Rednitzhembach) | 1971 bis 1979 |
| Josef Zier (DJK Obererlbach) | 1979 bis 1988 |
| Thomas Wirth (SV Leerstetten) | 1988 bis 1991 |
| Dieter Habermann (TSV Heideck) | 1992 bis 2002 |
| Sven Laumer (SV Penzendorf) | 2003 bis 2014 |
| Philipp Silvestri (SC 04 Schwabach) | 2014 bis 2018 |
| Michael Schott (TSV Kleinschwarzenlohe) | 2018 bis 2020 |
| Julian Leykamm (TSV Kleinschwarzenlohe) | 2020 bis dato |